MIT WELCHEN TENDENZEN IN DER NEUROLOGIE ZU RECHNEN IST, WIE SEIN GANZ PERSÖNLICHER MASTERPLAN AUSSIEHT UND WIE DER KV-LEHRLING ZUM FACHARZT WURDE: DER NEUROLOGE ANDREAS BAUMANN ERZÄHLTS IM INTERVIEW.

 

Andreas Baumann, in welche Richtung führen die zukünftigen Entwicklungen
in der Neurologie?
Andreas Baumann: «Häufig stehen neurologische Erkrankungen im Zusammenhang
mit dem fortgeschrittenen Alter, und da wir alle immer älter werden, sind neurologische
Erkrankungen im Zunehmen begriffen. Gleichzeitig sind immer mehr Erkrankungen
behandelbar, zum Beispiel die Multiple Sklerose. Insofern wird der Bedarf
an neurologischer Behandlung wachsen. Dass die Neurologie nun auch am SRO Langenthal
vertreten ist, dies als Praxis für ambulante Dienstleistungen und gleichzeitig
als stationäre Leistungserbringerin, ist absolut sinnvoll.»
Diese Ausgabe der SROinfo steht unter dem Motto ‹‹Zehn Jahre SRO››. Wo
möchten Sie in zehn Jahren stehen?
«Persönlich fühle ich, dass ich angekommen bin. Vom derzeitigen Standpunkt aus
betrachtet wünsche ich mir, bis zur Pension so weiterarbeiten zu können. Durch
die Kreditvergabe des Grossen Rates für die Umsetzung der zweiten Etappe des
Masterplans wird das SRO Langenthal wachsen. Fachlich erscheint es mir daher
erstrebenswert, künftig und in Zusammenarbeit mit einem Zentrumsspital auch die
Akuttherapie von Schlaganfall-Patienten anbieten zu können.»
Sie sind im Thurgauischen aufgewachsen. Wie kamen Sie in den Oberaargau,
nach Langenthal und ans SRO?
«Ich bin bereits 2001 mit meiner Familie nach Langenthal gezogen und von hier aus
ans Kantonsspital Aarau und ans Inselspital Bern gependelt. Langenthal liegt zentral,
ausserdem wohnte bereits eine meiner Schwestern hier. Aus zwei Jahren wurden
drei, dann fünf, wir wurden mit einem Kind beschenkt, mittlerweile sind es drei, und
entschieden uns schliesslich, hier zu bleiben. Im Verlauf der Zeit reifte der Gedanke,
mich auch beruflich hier niederzulassen. In einem Gespräch mit dem damaligen Chefarzt
der medizinischen Klinik am SRO, Herr Professor Dr. med. Rolf Streuli, erfuhr ich,
dass Bedarf an einer neurologischen Praxis bestand und eine solche von Seiten SRO
auch erwünscht war.»
Bevor Sie Neurologe geworden sind, waren Sie Banker. Das ist ungewöhnlich.
Weshalb haben Sie sich nach Lehrabschluss und berufsbegleitender Matura
zum Medizinstudium entschlossen?
«Ich bin der jüngste Sohn einer achtköpfigen Bauernfamilie. Meine Eltern waren der
Ansicht, dass man ‹etwas Rechtes› lernen soll. Deshalb machte ich zuerst eine KVLehre
auf einer Bank. Dadurch konnte ich später während der Berufsmatura weiterarbeiten
und mir, statt Kapital zu verbrauchen, Geld für das kommende Studium
zur Seite legen. Während der Matura fühlte ich mich zunehmend zur Biologie
und zu medizinischen Fragestellungen hingezogen. Erwacht war mein Interesse am
menschlichen Organismus nach einem Unfall, den ich im Alter von 19 Jahren beim
Klettern erlitten und der mich mit der Medizin direkt in Berührung gebracht hatte.»

DIENSTLEISTUNGEN DER NEUROLOGIE OBERAARGAU

KLINISCHES SPEKTRUM
– Epilepsie
– Zerebrovaskuläre Erkrankungen
– Parkinson und andere Bewegungsstörungen
– Periphere Neurologie (z.B. Nervenschädigungen im Handwurzelbereich bei Karpaltunnelsyndrom)
– Multiple Sklerose
– Kopfschmerzen
– Botoxinjektionen bei neurologischen Erkrankungen

APPARATIVE DIAGNOSTISCHE MÖGLICHKEITEN
– Elektroenzephalographie (EEG)
– Doppler- und Duplexsonographie extra- und intrakraniell sowie Embolusdetection
– Elektroneuromyographie (ENMG)
– Visuell und sensibel evozierte Potentiale (VEP/SEP)

ZUR PERSON

Andreas Baumann kam 1971 in Münsterlingen (TG) zur Welt und wuchs in Mauren (TG) auf. Das Medizinstudium absolvierte er in Neuchâtel, Zürich und London.
Die klinische Ausbildung führte ihn ans Spital Wil (SG) auf die Innere Medizin und anschliessend an die Neurologie des Inselspitals Bern, des Kantonsspitals Aarau und des Universitätsspitals Genf. Neben dem Facharzttitel für Neurologie FMH erlangte er während dieser Zeit auch die Fähigkeitsausweise der Schweizerischen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie für Elektroenzephalographie, Elektroneuromyographie und zerebrovaskuläre Krankheiten.
Andreas Baumann ist verheiratet. Der dreifache Vater lebt mit seiner Familie in Aarwangen.